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  MIT Lüneburg - Gespräche mit Genuss mit Dr. Werner Manette  08.03.2010
 
MIT Lüneburg - Gespräche mit Genuss mit Dr. Werner ManetteGespräche MIT Genuss führten 25 Mittelständler auf Einladung der Lüneburger Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) im Heidkrug.

Besonderer Gast war Dr. Werner Marnette, langjähriger Vorstandsvorsitzender der größten Kupferhütte Europas, der Norddeutschen Affinerie AG (heute Aurubis AG), und ehemaliger Wirtschafts- und Verkehrsminister Schleswig-Holsteins, der auch als Inhaber zahlreicher Ehrenämter aus Erfahrungen in Wirtschaft, Politik und Verbandswesen schöpfen kann. Schonungslos fiel seine Beschreibung der aktuellen Lage in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus, messerscharf seine Analyse vorhandener Missstände. Dazu servierte Sternekoch Michael Röhm mit seiner Mannschaft ein genussvolles Menü.

Nach der Begrüßung durch den Kreisvorsitzenden Peter Luths begab sich Marnette auf einen Parforceritt durch aktuelle Themen. Wenn es Olympia nicht gegeben hätte, hätten wir zuletzt nicht allzu viel zu lachen gehabt. Schlaglichter fielen auf Margot Käßmann und die katholische Kirche, Westerwelle und die FDP, Carstensen und Stegner, Griechenland, Italien und Spanien, Jobs von Altkanzler Schröder, Hamburger Schulreform und Bau der Elbphilharmonie, Stuttgart 21, U-Bahn-Bau in seiner Heimatstadt Köln usw. usw.

Der Sohn eines Schlossereiarbeiters beklagte den Zustand organisierter Verantwortungslosigkeit, der sich ausgebreitet habe. Beispielhaft dafür sei das zunehmende Hereindrängen des Staates in die Rolle des Unternehmers. In der Fußballsprache: Der Staat hat Schiedsrichter, nicht etwa Spieler zu sein. Opel und Commerzbank sind für Marnette bezeichnende Beispiele für die Ausweitung der ohnehin schon als viel zu hoch empfundenen Staatsquote. Es könne doch nicht sein, dass € 2,50 ausgegeben werden müssten, damit beim Arbeitnehmer € 1,00 ankomme, während der Rest beim Staat verbliebe.

Kritik auch gegenüber Auswüchsen des Föderalismus: Müssen in heutiger Zeit in einem Radius von 150 km um Hamburg fünf Landeshauptstädte liegen? fragt der Nordstaatanhänger rhetorisch. Können sich die norddeutschen Länder eine uneinheitliche Haltung zur Elbvertiefung leisten, wenn gleichzeitig in Rotterdam und Danzig massiv aufgerüstet wird? Wie kann eine Abschottung der Hochschulen in Kiel, Hamburg, Harburg, Lüneburg und anderen gegenüber benachbarten Hochschulen aufgebrochen werden?

Die Kluft zwischen breiten Schichten der Gesellschaft sei größer geworden, aber man scheine sich an die Krise gewöhnt zu haben anstatt sich zur Wehr zu setzen. Während sich das Gespenst der Inflation anschleiche, vermisse er Aufruhr und Widerstand. Wer jetzt Chancen verpasst, wird für lange Zeit abgehängt werden.

Kein Verständnis zeigte Marnette für Schiffbauer, die in Kürze bei der Bundeskanzlerin um Hilfe nachsuchen wollten, während zugleich weltweit massive Überkapazitäten zu beklagen seien. Zudem: Wir sind zu teuer.

Marnette verteilte auch Lob: Die Gewerkschaften seien vernünftiger geworden und die Verantwortung des Mittelstandes zeige sich auch in dem weit verbreiteten sozialen Engagement.

Jetzt seien Taten gefragt, nicht schrille Töne. Besonders wichtig sei es, die Kerngedanken der Sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhards wieder in das Bewusstsein der Menschen zu bringen, schloss Marnette seine gehaltvolle Tour d´Horizon. Unzählige Anknüpfungspunkte für langanhaltende Gespräche MIT Genuss eben.


Foto: Dr. Werner Marnette (links) als Gast der MIT Lüneburg mit dem Kreisvorsitzenden Peter Luths

Foto: MIT/Max Manzke

 

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