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12. Oktober 2026

Bormann und Prox: „Die Zeit der Ankündigungen ist vorbei – unser Mittelstand braucht jetzt konkrete Hilfe!“

Bormann und Prox: „Die Zeit der Ankündigungen ist vorbei – unser Mittelstand braucht jetzt konkrete Hilfe!“

Die wirtschaftliche Lage des deutschen Mittelstands bleibt angespannt. Sinkende Investitionsbereitschaft, schwindende Eigenkapitalreserven, steigende Insolvenzzahlen und hohe betriebliche Kosten setzen zahlreiche Unternehmen unter Druck. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Niedersachsen fordert deshalb konkrete und wirksame Entlastungen von Bund und Ländern. Landesvorsitzender Holger Bormann und sein Stellvertreter Alexander Prox, beide Unternehmer, warnen vor dem Verlust wirtschaftlicher Substanz und fordern einen entschlossenen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik.

„Die Zeit der Ankündigungen ist vorbei – unser Mittelstand braucht jetzt konkrete Hilfe!“, erklärt Holger Bormann. „Ich warne seit fast zwei Jahren davor, dass die Krise, in der wir uns befinden, in ihrer Tragweite größer ist als die Corona-Krise. Heute sehen wir, wie Unternehmen ihre finanziellen Reserven aufbrauchen, Investitionen verschieben und zunehmend Schwierigkeiten bekommen, ihre Finanzierung zu sichern. Wenn Banken bei schlechter werdenden Geschäftszahlen zurückhaltender werden, entsteht eine gefährliche Abwärtsspirale. Wir dürfen nicht warten, bis aus einer vorübergehenden wirtschaftlichen Krise eine endgültige Unternehmensaufgabe wird.“

Creditreform-Zahlen sind ein deutliches Warnsignal

Die Creditreform-Herbstumfrage 2026 unter rund 1.200 kleinen und mittleren Unternehmen unterstreicht den Handlungsbedarf: 33 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über eine Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent. Gleichzeitig ist die Investitionsbereitschaft auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Der Creditreform-Geschäftsklimaindex liegt lediglich bei plus 1,1 Punkten. Die Folgen der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche zeigen sich zudem in steigenden Insolvenzzahlen. Quelle: Creditreform Wirtschaftsforschung, Herbstumfrage 2026.

Alexander Prox, stellvertretender Landesvorsitzender der MIT Niedersachsen und selbst Unternehmer, erklärt: „Wenn jedes dritte Unternehmen nur noch über eine Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent verfügt und die Investitionsbereitschaft auf einem 20-Jahres-Tief liegt, müssen bei der Politik die Alarmglocken läuten. Unternehmen können nicht dauerhaft von ihren Reserven leben. Wer Arbeitsplätze sichern, ausbilden und investieren soll, braucht wirtschaftliche Perspektiven und verlässliche Rahmenbedingungen.“

Personal- und Kraftstoffkosten werden zur Belastungsprobe

Besonders die Summe der laufenden Kosten bereitet vielen Betrieben Schwierigkeiten. Hohe Löhne und Lohnnebenkosten, Energie- und Rohstoffpreise, Zinsen sowie bürokratische Anforderungen schränken den finanziellen Spielraum zunehmend ein. Auch die Entwicklung des Mindestlohns stellt insbesondere personalintensive Betriebe vor Herausforderungen, wenn steigende Personalkosten nicht durch entsprechende Produktivitätszuwächse oder höhere Erlöse ausgeglichen werden können.

„Es geht nicht darum, faire Löhne infrage zu stellen. Es geht darum, dass Unternehmen die Kosten ihrer Arbeit auch erwirtschaften können müssen“, betont Prox. „Gerade kleine Betriebe können steigende Personal- und Sozialkosten nicht beliebig auffangen. Wenn gleichzeitig die Nachfrage schwächelt und weitere Belastungen hinzukommen, wird es immer schwieriger, Arbeitsplätze zu erhalten und neue Mitarbeiter einzustellen.“

Ein weiteres Problem sind die hohen Kraftstoffpreise. Speditionen, Handwerksbetriebe, Dienstleister und andere Unternehmen mit einem hohen Fahrzeugeinsatz sind besonders betroffen. Im europäischen Wettbewerb, beispielsweise mit Anbietern aus Polen, können unterschiedliche Energie- und Betriebskosten die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zusätzlich beeinträchtigen.

Wie erheblich die Belastung ausfallen kann, zeigt ein allgemeines Praxisbeispiel: Zusätzliche Kraftstoffkosten von 5.500 Euro monatlich bedeuten 66.000 Euro Mehrkosten im Jahr. Dieses Geld fehlt für Investitionen, die Modernisierung des Fuhrparks und die Sicherung von Arbeitsplätzen.

Die befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel begrüßt die MIT Niedersachsen als Entlastungsansatz, hält aber eine kritische Prüfung der tatsächlichen Wirkung für erforderlich. Die Maßnahme gilt bis Ende 2026 und verursacht laut Bundesfinanzministerium Steuermindereinnahmen von rund 2,5 Milliarden Euro.

„Entscheidend ist, was bei den Unternehmen tatsächlich ankommt“, erklärt Prox. „Wenn der Staat Milliarden für eine Entlastungsmaßnahme einsetzt, muss diese im betrieblichen Alltag spürbar sein. Gerade Unternehmen mit hohem Kraftstoffverbrauch brauchen eine verlässliche Perspektive. Wir müssen deshalb auch die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber unseren europäischen Nachbarn stärker berücksichtigen.“

Abwanderung von Wertschöpfung verhindern

Die MIT Niedersachsen warnt zugleich vor der Verlagerung von Produktionskapazitäten und Wertschöpfung ins Ausland. Wenn Unternehmen neue Investitionen außerhalb Deutschlands tätigen, Produktionsbereiche verlagern oder ihren Standort vollständig aufgeben, drohen langfristige Folgen für Beschäftigung, Ausbildung und regionale Wirtschaftskraft.

„Wir können nicht dauerhaft erwarten, dass Unternehmen in Deutschland investieren und Arbeitsplätze schaffen, wenn die Kostenbelastung immer weiter steigt und andere Standorte wirtschaftlich attraktiver werden“, sagt Prox. „Wenn Produktion und Wertschöpfung erst einmal abgewandert sind, lassen sie sich nicht ohne Weiteres zurückholen. Die Politik muss dafür sorgen, dass sich Investitionen und unternehmerisches Engagement in Deutschland wieder lohnen.“

MIT Niedersachsen fordert konkrete Maßnahmen

Die MIT Niedersachsen fordert Bund und Länder auf, kurzfristig wirksame Schritte zur Stabilisierung des Mittelstands einzuleiten. Dazu gehören:

Steuern und Abgaben senken: Unternehmen benötigen mehr finanziellen Spielraum für Investitionen und Beschäftigung.

Wettbewerbsfähige Energie- und Kraftstoffkosten sichern: Entlastungsmaßnahmen müssen in der betrieblichen Praxis ankommen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Personalnebenkosten begrenzen: Steigende Lohn- und Sozialkosten müssen bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.

Bürokratie konsequent abbauen: Weniger Dokumentationspflichten, schnellere Genehmigungen und einfachere Verwaltungsverfahren schaffen Freiräume für das Kerngeschäft.

Liquidität und Finanzierung verbessern: Über die KfW und geeignete Landesprogramme müssen wirtschaftlich tragfähige Unternehmen in akuten Finanzierungsschwierigkeiten unterstützt werden können.

Investitionen und Produktion in Deutschland halten: Verlässliche Rahmenbedingungen und bessere Investitionsanreize müssen verhindern, dass weitere Wertschöpfung ins Ausland verlagert wird.

Dabei gehe es nicht darum, jedes wirtschaftliche Risiko auf den Staat abzuwälzen. Ziel müsse vielmehr sein, grundsätzlich tragfähige Unternehmen zu stabilisieren, bevor vorübergehende Finanzierungsschwierigkeiten zu dauerhaften Schäden führen.

„Wir müssen handeln, solange Unternehmen noch eine Zukunft haben“

Holger Bormann richtet deshalb einen dringenden Appell an die Verantwortlichen in Bund und Land: „Der Mittelstand ist kein Randthema der Wirtschaftspolitik. Er ist das Fundament unserer Wirtschaft, gerade in Niedersachsen. Mit jedem Betrieb, der aufgibt, verlieren wir Arbeits- und Ausbildungsplätze, regionale Wertschöpfung und gewachsene Strukturen. Diese Unternehmen engagieren sich in unseren Städten und Gemeinden, unterstützen Vereine und geben jungen Menschen eine berufliche Perspektive. Wenn sie verschwinden, verliert unsere Gesellschaft mehr als nur einen Arbeitgeber.“

Bormann abschließend: „In der Corona-Krise hat die Politik gezeigt, dass sie in einer außergewöhnlichen wirtschaftlichen Notlage schnell handeln kann. Diese Entschlossenheit brauchen wir auch jetzt. Wir müssen handeln, solange Unternehmen noch eine Zukunft haben. Liebe Verantwortliche in Bund und Land: Die Zeit der Ankündigungen ist vorbei. Es ist Zeit für Taten.“

Kontakt

Steffen Preugschat

Loebensteinstraße 30, 30175 Hannover

Tel: +49 511 27991-23

E-Mail: kontakt [at] mit-niedersachsen [dot] de

Über die MIT Niedersachsen

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) ist mit rund 25.000 Mitgliedern der größte parteipolitische Wirtschaftsverband in Deutschland und setzt sich für die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft und wirtschaftliche Vernunft in der Politik ein. Der MIT-Landesverband Niedersachsen ist mit rund 4.600 Mitgliedern einer der größten Landesverbände und vereint Geschäftsführer und leitende Angestellte regionaler Unternehmen.

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