Die deutsche Wirtschaft überwindet das Konjunkturtief. Im zweiten Quartal hat die
Wirtschaftsleistung zugelegt – schon zum dritten Mal in Folge. Der Schub kommt von den
Auslandsmärkten, die Exporte legten im ersten Halbjahr um 3,9 Prozent zu. Die
Exporterwartungen erreichten im August den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Der
Auftragseingang zieht an, die Auftragsbücher sind fast zehn Prozent dicker als vor einem
Jahr. Auch die Stimmung in den Unternehmen dreht sich: Im Mittelstand verbessert sich
die Stimmung seit vier Monaten, besonders kräftig in der Industrie.
Im gesamten Jahresverlauf dürfte die Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent zulegen, viel stärker als noch
im Juni erwartet wurde. Doch der Aufschwung kann sich noch nicht selbst tragen. Die
Inflation ist auf 2,9 Prozent gestiegen, Energie verteuerte sich um mehr als zehn Prozent.
Die Unternehmensinsolvenzen erreichten den höchsten Halbjahresstand seit 2013. In der
Autoindustrie wurden binnen eines Jahres 5,8 Prozent der Stellen abgebaut. Zugleich
fürchten Unternehmen um Ihre Stellung auf Auslandsmärkten.
Die Politik darf den Aufschwung nicht mit struktureller Stärke verwechseln. Jetzt müssen Steuern und
Abgaben, Energie- und Arbeitskosten sowie Bürokratie runter und die Bedingungen für
private Investitionen besser werden. Dann wird aus der Erholung ein stabiler Aufschwung.
