Hannover, 9. April 2026 – Der Iran Krieg führt Deutschland wieder deutlich vor Augen, wie abhängig Europa von funktionierenden Lieferketten ist und wie schnell diese aus dem Gleichgewicht gebracht werden können. Die seit längerem angestrebte Resilienz Europas ist nicht einmal ansatzweise zu erkennen, Europa ist bei Rohstoffen und Energielieferungen auch weiterhin massiv von Dritten abhängig.
Um sich einen gewissen Grad an Energieautarkie zu verschaffen, ist der Ausbau der erneuerbaren Energien eine Maßnahme höchster Priorität. Nur ist unter verantwortungsvollen Ausbau zu verstehen, dass Netz und Stromerzeugungskapazitäten synchron ausgebaut und in Betrieb genommen werden. „Eine Windenergieanlage, deren Strom wegen fehlender Netzkapazitäten nicht effektiv genutzt werden kann, trägt nicht zur Resilienz bei. Sie verteuert vielmehr die Systemkosten.“, so Dr. David Novak, Mitglied der Arbeitsgruppe Energie der MIT Niedersachsen.
Ein großer Teil der in Deutschland verbrauchten Primärenergie wird für die Wärmeerzeugung benötigt. Gerade in industriellen Hochtemperaturprozessen wird Erdgas noch über Jahrzehnte weiterhin benötigt, da die klimafreundliche Alternative des CO2-armen Wasserstoffs auf absehbare Zeit nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen wird. Dank Ausbau der LNG-Terminal und der Versorgung durch Norwegen ist man derzeit bei der Erdgasversorgung nicht direkt vom Iran Krieg betroffen. Aber trotzdem hat man aktuell ein massives Preisproblem, da Erdgas auf einem globalen Markt gehandelt wird, der derzeit unter Mengenverknappungen leidet. Um hier einen deutlich höheren Grad an Resilienz zu erreichen, sollte Deutschland seine noch vorhandenen Erdgasvorräte heben, die für einen Zeitraum von etwa 25 Jahren die industriellen Kernprozesse versorgen können. Damit sichert man zahlreiche Arbeitsplätze und Unternehmen ab. “Es ist sinnvoller, Erdgas in Niedersachsen zu fördern und damit die Wertschöpfung hier zu belassen, statt für LNG aus Texas unser Geld in die USA zu transferieren!“, betont Holger Bormann, Vorsitzender der MIT in Niedersachen.
Gutachten zeigen auf, dass die Förderung von Erdgas aus großen Tiefen mit modernen Fördertechniken umweltgerecht erfolgen kann.
Resilienz ist wichtig, trotzdem wird es auch weiterhin eine Abhängigkeit von anderen Staaten geben. Daher ist neben einer verantwortungsvollen nationalen und europäischen Energiepolitik auch eine weltweite Beschaffungspolitik unterschiedlichster Energieträger zwingende Voraussetzung für einen funktionierenden Industriestandort Deutschland.
