Fünf nach zwölf: Niedersachsen braucht jetzt einen wirtschaftlichen Comeback-Plan

Datum des Artikels 09.01.2026

Holger Bormann, Landesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion in Niedersachsen
Hannover, 9. Januar – Der Jahresanfang markiert einen wirtschaftspolitischen Wendepunkt. Es ist bekannt geworden, dass es in Deutschland so viele Unternehmensinsolvenzen gibt wie seit rund 20 Jahren nicht mehr. Diese Entwicklung ist ein unübersehbares Warnsignal – auch und gerade für Niedersachsen.

Familienunternehmen, Handwerksbetriebe, Industrie, Landwirtschaft und Dienstleister geraten zunehmend unter Druck. Steigende Kosten, hohe Steuer- und Abgabenlasten, lähmende Bürokratie, Fachkräftemangel und unsichere Energiepreise bringen immer mehr Betriebe an ihre Belastungsgrenze.

„Diese Insolvenzzahlen sind kein statistischer Ausreißer – sie sind ein wirtschaftlicher Weckruf. Wenn so viele Unternehmen scheitern wie zuletzt vor 20 Jahren, dann ist klar: Es ist tatsächlich fünf nach zwölf“, erklärt Holger Bormann, Landesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) in Niedersachsen. Bormann spricht für einen der stärksten wirtschaftspolitischen Verbände des Landes: Rund 4.600 Unternehmerinnen und Unternehmer sind in der MIT Niedersachsen organisiert. Bundesweit ist die MIT mit rund 25.000 Mitgliedern der größte wirtschaftspolitische Verband in Deutschland.

Januar ist der Moment der Entscheidung
Holger Bormann betont bewusst den Zeitpunkt seiner Wortmeldung: „Gerade jetzt im Januar finden überall im Land Neujahrsempfänge statt – mit persönlichen Begegnungen zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politikerinnen und Politikern. Genau jetzt wird zugehört. Und genau jetzt müssen wir ins Handeln kommen.“

Förderprogramme auf den Prüfstand – Steuern senken statt Bürokratie finanzieren
In einer zweiten klaren Forderung spricht sich die MIT Niedersachsen für eine grundlegende Überprüfung der bestehenden Förderprogramme aus. „Es macht überhaupt keinen Sinn, Förderprogramme für Mittelstand und Wirtschaft vorzuhalten, die so kompliziert sind, dass sie am Ende kaum genutzt werden“, kritisiert Bormann.

Zu viele Programme seien mit überbordenden Regularien, Nachweispflichten und komplizierten Ausschüttungsmechanismen verbunden. „Mein Wunsch ist: Wir schaffen diese Förderprogramme ab und senken stattdessen die Steuern. Dann hätten am Ende alle etwas davon“, so Bormann deutlich. Der aktuelle Zustand sei weder effizient noch fair: „Erst wird Geld erwirtschaftet, dann abgeschöpft, dann über Förderprogramme verteilt und am Ende scheitert alles an Formularen, Datenerhebungen und Bürokratie. Das kann so nicht richtig sein.“
Eine breite steuerliche Entlastung sei für den Mittelstand wirksamer als punktuelle, komplizierte Förderinstrumente: „Was unsere Betriebe brauchen, ist Luft zum Atmen – keine Antragsformulare. Weniger Steuern, weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung.“

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Abschließendes Fazit:
„Wenn wir jetzt nicht handeln, wird aus einer wirtschaftlichen Schwäche eine strukturelle Krise. Die Insolvenzzahlen sprechen eine klare Sprache. Niedersachsen braucht jetzt Mut zur Entscheidung, Vertrauen in den Mittelstand, weniger Förderchaos, niedrigere Steuern, wirtschaftliche Bildung für die nächste Generation – und einen echten Neustart. Es ist fünf nach zwölf. Wegschauen ist keine Option mehr.“